Chronik
Pfingstturnier 1934

Die Gründung erfolgte 1897 als „LAWN-TENNIS-TURNIER-CLUB“. Dabei übernahmen die Gründungsmitglieder das Bezeichnung LAWN TENNIS aus dem Englischen, weil der Tennissport in England so benannt wurde. Es hat niemals einen LAWN (Rasen) Tennisplatz im Club gegeben, der den Zusatz „ROT-WEISS“ erst später erhielt, als die Mitglieder rot-weiße Bänder um die Strohhüte trugen. Man spielte zu dieser Zeit Tennis noch mit Hut!

Von wesentlicher Bedeutung war die Bezeichnung „TURNIER CLUB“, denn laut Gründungsprotokoll sollte ein Turnier um die Meisterschaft von Berlin stets von diesem Club veranstaltet werden. Das geschah dann auch – zunächst auf verschiedenen Mietplätzen in der Stadt und später auf dem Gelände am Hundekehlesee, das durch Vermittlung der Schwester der Kaiserin, Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen, dem Club unentgeltlich überlassen wurde. Der bisher heimatlose LTTC "ROT-WEISS" fand dort sein heutiges Domizil. Die neue Tennisanlage wurde mit Clubhaus 1907 durch ein internationales Turnier eingeweiht, dessen Beiname „Pfingst-Turnier“ bald einen besonderen Rang in der Tenniswelt haben und zu einem gesellschaftlichen Ereignis in Berlin werden sollte.

Dieses Turnier um die Tennismeisterschaft von Berlin wurde zur Tradition – und zu dieser Tradition gehörte es, dass die deutsche Tenniselite Mitglied im LTTC ROT-WEISS war. Demzufolge wurden auch die Kämpfe um den DAVIS-Cup vorwiegend auf dem CENTER COURT des Clubs ausgetragen, der einen hervorragenden Heimvorteil bot, weil die rot-weißen Spieler ständig auf diesem Platz trainieren konnten. Sie wurden dort von den besten Tennis-Trainern betreut, durch ROMAN NAJUCH und ROBERT KLEINSCHROTH, sowie später auch zeitweise durch die Profi-Weltmeister BILL TILDEN und HANNE NÜSSLEIN.

Es würde den Rahmen dieser Chronik sprengen, die Namen aller Weltklasse-Spieler zu nennen, die auf der Clubanlage des LTTC ROT-WEISS ein Match ausgetragen haben – es fehlt kaum einer! Hier war bis zu Beginn des 2. Weltkrieges die Tennis-Metropole Deutschlands.

Die Situation änderte sich für den LTTC ROT-WEISS, als 1943 das Clubgelände und die darauf befindlichen Bauten bei einem Luftangriff vollkommen zerstört wurden. Dass der LTTC ROT-WEISS auch „wie Phönix aus der Asche“ steigen konnte, ist im wesentlichen Gottfried von Cramm zu verdanken, dem großen deutschen Tennismeister vor und nach dem Krieg, der wegen seines eleganten Spiels und seines Fair-plays weltweit als Tennis-Idol verehrt wurde.

Pfingstturnier 1951

Im Vertrauen auf seine Zusage, wieder Tennisweltkämpfe mit Weltklassespielern in Berlin  und im LTTC ROT-WEISS zu veranstalten, erhielt der Club 1948 von der Militärregierung als erster Tennisverein im britischen Sektor seine Lizenz und damit sein Eigentum, das Clubgelände, zurück. Ferner stellte der Magistrat der Stadt die finanziellen Mittel für die Herstellung der Tennisplätze, den Aufbau der zerstörten Tribüne um den Center-Court und auch für den Neubau eines Garderobenhauses zur Verfügung. So konnte bereits 1949 wieder das erste internationale Wettspiel im LTTC ROT-WEISS stattfinden, dem viele andere folgten, insbesondere im Rahmen des wieder veranstalteten Pfingstturniers um die internationale Meisterschaft von Berlin ab 1950.

Das erforderliche Eigenkapital für den Neubau eines Clubhauses, das die 1949 provisorisch hergerichtete Holzbaracke ersetzen sollte, konnte Gottfried von Cramm ebenfalls durch einen befreundeten Mäzen vermitteln. So konnte 1958 durch den bekannten Architekten Prof. Paul Baumgarten ein für die Zeit sehr modernes Clubhaus am Hang zum Hundekehlesee errichtet werden, das heute unter Denkmalschutz steht.

Vereinsvorstand 1965

Durch die Überführung seiner Tennisschule von Duisburg nach Berlin konnte Gottfried von Cramm über den LTTC ROT-WEISS Einfluss auf die Gestaltung eines Leistungszentrums des Berliner Tennisverbandes auf dem Nachbargelände des Clubs nehmen. Damit wurde Berlin und der LTTC ROT-WEISS wieder zu einem Mittelpunkt für die Förderung des deutschen Tennisnachwuchses und der Club konnte seiner Tradition aus der Vorkriegszeit gerecht werden.

Solange er aktiv Turnier-Tennis spielte, nahm Gottfried von Cramm kein Amt im Vorstand des LTTC ROT-WEISS an. Erst ab 1958 vertrat er den Club als Vorsitzender und Präsident bis zu seinem Unfall-Tod im Jahre 1976. Ihm folgte Wolfgang A. Hofer, der 1947 den Vorsitz bei der Wiedergründung des Clubs hatte und seitdem 30 Jahre im Vorstand tätig war. Er leitete den LTTC ROT-WEISS weitere 20 Jahre bis zum 100. Jubiläum und wurde zum Ehrenpräsidenten gewählt.

Die traditionellen Funktionen des LTTC ROT-WEISS wurden schlagartig mit Einführung des professionellen Tennis verändert. Im internationalen Terminkalender gab es keinen Platz mehr für das Pfingstturnier und die Preisgeldforderungen für die Spieler waren ebenfalls nicht zu erfüllen. Es war daher eine Glücksfall, dass der Deutsche Tennisbund die bisher in Hamburg durchgeführten Internationalen Deutschen Meisterschaften der Damen (German Open) ab 1979 dem LTTC ROT-WEISS zur Ausrichtung übertrug. So konnte der Club in den Folgejahren am „Boom“ des Damentennis durch Steffi Graf teilhaben.

Der Aufschwung löste dann eine Forderung der Spielerinnenvertretung (WTA) aus, die 1983 errichtete Tribünenanlage um den Center-Court mit einem Fassungsvermögen von ca. 3.500 Zuschauern auf das Doppelte zu erhöhen. Dieser Neubau wurde mit Hilfe des Senats der Stadt Berlin 1996 ermöglicht und trägt seit 2004 den Namen Steffi Graf Stadion.

Diese Situation änderte sich überraschend durch den Verkauf der Turnier-Lizenz durch den Deutschen Tennisbund. Damit war das Schicksal der Deutschen Meisterschaft für Damen besiegelt und zugleich die Nutzung für das Stadion in Frage gestellt, denn der LTTC ROT-WEISS war ab 2009 nicht mehr Austragungsort dieses Turniers, das von ihm jahrelang veranstaltet wurde und das bei allen Weltklassespielern beliebt war.

Dank der seit Jahrzehnten anerkannten Jugendarbeit wurde der LTTC ROT-WEISS jedoch im gleichen Jahr Ausrichter der Internationalen Jugendmeisterschaften von Deutschland (bis 2011 airberlin german juniors; ab 2012 Allianz Kundler German Juniors supportet by OPTIMAL SYSTEMS).
Somit gibt es einen beachtlichen Neubeginn für den altbewährten Turnier-Club!